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Pfarrkirche "St. Raymund"

Die Pfarrkirche liegt weithin sichtbar auf einer vorspringenden Bergrippe. Nicht zu unrecht darf sie die Dominante der Neuen Welt genannt werden. Die stattlichen Ausmaße überraschen. Es ist eine einschiffige Barockanlage mit (später) eingeführtem Querhaus und Westturm. Der Zugang zur hochgelegenen, vom Friedhof umgebenen Kirche erfolgt von der Dorfseite her über eine Freitreppe. Das Hauptportal ist im Westen der Kirche, im Unterbau des Turmes. Seitenportale finden sich an der Nord- und Südseite des Querhauses. Der Turm hat drei Geschosse, die Glockenstube im obersten Geschoss hat rundbogige Schallöffnungen. Darüber steigt ein stumpfer Spitzhelm auf. Die Sakristei ist an der Südseite des Presbyteriums im Winkel zum südlichen Querhaus angefügt. Der Gesamteindruck des Baues ist trotz seiner stattlichen Ausmaße unaufdringlich.
Den Eindruck einer wohltuenden Schlichtheit macht auch das Innere des Kirchenraumes. Die Proportionen sind ausgewogen. Bei einer Gesamtlänge von 55 Metern und einer (Langha
us-) Breite von 28 Metern schwingt sich der Raum zu nicht unbedeutender Höhe auf. Dadurch, dass die Ecken der Vierung abgeschrägt sind, erhält der ganze Raum eine leichte, elegante Schwingung. Das kurze Presbyterium ist in fünf Seiten des Achteckes geschlossen; die Arme des Querhauses entsprechen in etwa der Tiefe des Altarraumes, so dass im Vierungsbereich der Eindruck eines Zentralraumes entsteht. Dieser wird unterbrochen durch das Landhaus, das sich in vier Fensterachsen gegen Westen anschließt. Über die Vierung wölbt sich eine Flachkuppel, über die übrigen Raumteile ein stattliches Tonnengewölbe. Die einzelnen Joche sind durch kräftige Wandpfeiler gegliedert, über die sich ein halbkreisförmiger Gurtbogen spannt. Im westlichen Joch ist ein zweigeschossige Empore eingebaut; das Untergeschoss ist gewölbt und öffnet sich in drei Rundbogen gegen den Kirchenraum, getragen von zwei schlichten Rundsäulen. Das Obergeschoss steht auf vierkantigen Säulen. Die Kirche hat - im Gegensatz zu den Gewohnheiten der Erbauungszeit - keinen Deckenmalereien und keinen Stuck. Die einzige Wandgliederung ist neben den 15 großen, rundbogigen Fenstern das ausgeprägte Gesimse mit den kräftigen Kapitellen über den Wandpfeilern und an der Vierung.

Der Hochaltar, ein Geschenk des Grafen Johann Ferdinand von Salburg, Herr zu Rannariedl ist ein gutes, barockes Werk aus der Zeit vor 1720. Das Altarblatt wird umgeben von beiderseits je drei Pilastern und einer vorgestellten Säule, auf denen ein schönes, geschweiftes Gebälk ruht. Vor den Pilastern stehen die Holzfiguren Hl. Leonhard, Petrus, Andreas und Franz Xaver (von links nach rechts), vier große Gestalten in barock-pathetischer Gebärde. Das Altarbild stellt den Kirchenpatron Raymund von Penaforte dar. Es entstand später als der übrige Altar und stammt vom Passauer Hofbildmaler Johann Georg Unruh in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Besonders schön ist der Auszug, der obere Abschluss des Altares. Maria wird auf Wolken schwebend durch die Heiligste Dreifaltigkeit gekrönt. Gottvater und Gottsohn sitzen seitlich, über der Gottesmutter schwebt in einer Glorie die Taube des Heiligen Geistes. Die Krone bringen zwei Putten. Auf den seitlichen Voluten sitzen je ein liebevoll gestalteter, verehrender Engel.

Der Hochaltar zeigt sich zwar als Einheit wurde aber von zwei verschiedenen Künstlern zu verschiedener Zeit geschaffen. Der Schöpfer des herrlichen oberen Teiles des Hochaltars, die Krönung Mariens darstellend, und der vier Holzfiguren ist leider nicht bekannt.

Der Tabernakel umgeben von zwei anbetenden Engeln, ist eine sehr gute Frührokokoschöpfung aus dem Jahre 1748 und stammt aus der Werkstätte des Bildhauers Franz Stadler aus Neufelden (Österreich). Die Einrahmung des Altarblattes und die Säulen und Pilaster stammen ebenfalls von dem Neufeldener Bildhauer. Auf dem Tabernakel befinden sich eine Kopie des Gnadenbildes von Maria Plein Salzburg.

Die Kanzel stammt von der gleichen Künstlerwerkstätte, die die Krönung Mariens am Hochaltar schuf. Auffallend ist der elegant geschweifte Kanzelkorb mit den vier Reliefs der Evangelisten, die auf Wolken sitzend ihre Attribute halten. Reich verziert ist der Schalldeckel. Ihn krönt ein großer, flott geschnitzter Engel mit Kreuz und Kelch, umgeben von drei zierlichen Putten. Zur Ausstattung gehören noch eine Reihe von beachtenswerten Holzfiguren aus der Barockzeit.

Besonders hervorzuheben ist die Darstellung Gottvaters gegenüber der Kanzel. Es ist eine sehr gute, schwungvolle Arbeit, die ebenfalls dem Passauer Kunstkreis (vielleicht Johann Michael Högenwald?) zuzurechnen ist. Über dem Mittelaltar hängt vom Gewölbe herab ein überlebensgroßes Kruzifix, eine Frührokokoschöpfung um 1730. Der gleichen Zeit gehört die Pieta auf dem südlichen Seitenaltar an.

Die Pfarrkirche St. Raymund in Breitenberg gehört zwar nicht zu den großen und bedeutenden Kunstwerken des Bistums Passau, darf aber dennoch wegen der überraschenden Ausmaße und der guten Proportionen, nicht zuletzt aber auch wegen der beachtenswerten Barockausstattung zu den schönsten Kirchen des Unteren Bayerischen Waldes gezählt werden.

Franz Mader

Aus: Unser Heimat - die neue Welt
zu beziehen im Pfarramt Breitenberg

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